Leid oder Freud: Leserzuschriften
Als Schreibender freut man sich über Reaktionen der Leser: weiß man doch, dass der jeweilige Beitrag zumindest wahrgenommen wurde. Das gilt sogar für Zuschriften im Stil von „kann man…?“ – wohlgemerkt ohne Anschrift, ohne Gruß und unter Umgehung jeglicher Orthografie-Regeln. Einen Moment lang überlegte ich mir wegen der Masse der Unschönheiten die Zuschrift direkt zu löschen, verwarf das aber. Schließlich schrieb die Fragestellerin als Leserin eines der Magazine für die ich bereits sehr lange arbeite.
Aber Strafe musste sein: meine Antwort fiel ebenso knapp aus – nämlich „ja, man kann…“. Das allerdings schien die Adressatin nicht weiter zu verwundern: vielmehr kam zurück: „wie kann man…“ Auch das beantwortete ich im vorgegebenen Stil. Vielleicht einen Hauch zu knapp, denn kurz davor erreichte mich eine neue Zuschrift mit dem Hinweis, es ginge nicht und ob bzw. wie man das noch bewerkstelligen könnte. Und: zu den bereits gleich zu Beginn genannten Unschönheiten gesellte sich nun der Lapsus, dass – auch nach mehrmaliger Reaktion und Unterstützung meinerseits – kein „Bitte“ oder „Danke“ den Weg in die Mail gefunden hatte.
Ich schrieb eine böse Mail an die Fragestellerin und bemängelte unter anderem die fehlenden „Zauberworte“. Anschließend löschte ich die Nachricht. Stattdessen antwortete ich nochmals – im Blitz-Stenostil versteht sich.
Was dann aber kam, war einfach unglaublich: eine Mail in bekannter Manier, dieses Mal jedoch mit angefügter fehlerbehafteter Datei, damit ich diese gleich korrigieren kann. Über so viel Unverschämtheit verschlug es mir glatt die Sprache. Oder genauer: die Antwort. Ich habe schlicht darauf verzichtet.